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Tagebuch Offenbarung eines Paladins

#21
Vorwort - Paladin Franziskus Maximilian Gerber, Solaner Orden Neu-Corethon

Dies ist die Letzte der Heiligen Zwölf Prüfungen, die mir und dem Solaner Orden Neu-Corethon auferlegt wurden, in denen wir mit außerweltlichen Ambitionen der Erzdämonen konfrontiert wurden. Die Vorfälle in diesem Kapitel stellen die chaotische Natur Skrettjah's und die Beziehung der Erzdämonen untereinander da und zeigt, dass wir von Anfang an ein falsches Bild durch die Indoktrinierung der deynistischen Kirche über das göttliche Gefüge und die Vergangenheit der Menschheit bekommen haben. Insbesondere wird vieles von dem, was ich berichte, nicht mit den Heiligen Schriften des Propheten Jakobus übereinstimmen. Dennoch hoffe ich, durch die Nennung von weltlichen Namen und Fakten genügend Zeitzeugen und Beweise hinterlassen zu können, um die Richtigkeit meiner Erlebnisse zu bestätigen. Während die Heiligen Schriften so geschrieben sind, dass sie sinngemäß interpretiert werden müssen und nicht immer wörtlich übernommen werden können, so ist meine Abschrift wörtlich zu nehmen. Der Versuch, die Grausamkeit des Geschriebenen durch Interpretation zu verschmälern, wäre ein Versuch, die Wahrheit zu verleugnen und damit auch alle, die dafür leiden mussten. 
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Rückkehr nach Corethon I. - Ankunft - Regenmond 1347

Seit unserer Rückkehr aus dem eroberten Szemää und der Konfrontation mit meinem ehemaligen Schützling Drevin Cray war mein seelisches Wohlbefinden an einem unumkehrbaren Tiefpunkt angelangt. Ich verlor meinen sonst selbstverständlichen Glauben an den Herren und zweifelte das Erlebte und das Kommende an. Ich entwickelte sadistische und sarkastische Tendenzen, indem ich das Schicksal selbst verspottete um mein überwältigendes Selbstmitleid vor Anderen zu verbergen. Übte ich früher Gewalt nur aus unbändiger Wut oder "Notwendigkeit" aus, empfand ich Genugtuung, Gewalt unverhältnismäßig einzusetzen oder Unschuldigen aus belanglosen Gründen mit dem Brechen von Knochen oder Einschlägen von Zähnen zu drohen. Viel davon war ein rebellischer Akt gegen Deyn. Da ich wusste, das ich aus meiner vorbestimmten Rolle nicht entkommen könnte, könnte ich zumindest bis zu den Grenzen des Möglichen gehen und gegen jegliche gute Tugenden handeln, alleine um die "Heuchelei" des Herren zu beweisen, selbst abscheuliche Verbrechen ausüben zu müssen um in seinen Götterplan hineinzupassen. So zögerte ich auch nicht, Erzdekan Michael Bonnington vor der Ordensgemeinschaft und einer Schar an Wegbegleitern, Forschern und Seemännern, welche ihn begleiteten, in der Prioreishalle voller Hass für seine Schandtaten zu beleidigen und zu verhöhnen. Das er zuließ, das Drevin verwandelt wurde und ihn dann an uns übergab, ohne uns etwas zu sagen - vollkommen im Wissen, dass er magisches Blut in sich trug, nur um sein schlechtes Gewissen zu befriedigen - und dass er uns dafür sogar in einen Kreuzzug entsandte, wo ein geliebter Ordensbruder von uns starb, ohne die ganze Wahrheit zu wissen. Wir diskutierten wild und er entschuldigte sich und bereute seine Tat, gekommen war er aber aus einem anderen Grund, als sich von einem niederen Ordensritter wie mir anschreien zu lassen.

Wieder einmal erteilte er uns einen Befehl, den er als "Gefallen" zu tarnen versuchte. Bereits seit Jahren plante er eine Expedition in die Unbekannten Lande, genauer gesagt die Insel Corethon. Sie sollte zu Ende bringen, woran sein alter Weggefährte und verstorbener Freund, Kapitän Jannes Starkwetter, scheiterte. Sie sollte Corethon kartographieren, die Vorgängerkolonie Neu-Corethons, und die Überreste von Starkwetter und seiner Mannschaft bergen. Doch eisern und mit feindlicher Gesinnung verweigerte ich, diesem Gefallen nachzukommen. Wir hätten bereits mehr als genug für ihn getan und gelitten, doch vor mir stand nicht mehr der umsichtige Erzdekan aus Asmaeth, sodass er mich in das Büro des Abtpräses beorderte. Dort erkannte ich bereits an der Farbe in seinen Augen, dass auch er die Kompromisslosigkeit als oberste Maxime erklärt hatte. Ohne Umschweife sprach er mich darauf an, dass seine Leibwache, mein Bruder Werner, wegen Fahnenflucht gesucht wird und er haargenau weiß, dass ich ihn auf Neu-Corethon verstecken würde. Und er traf ins Schwarze. Vor Monaten besuchte Werner mich unangekündigt und verkündete, einige Wochen bleiben zu wollen, um mich zu sehen. Doch im Vertrauen sagte er mir, dass der Riedländer Orden, in dem er diente, auf dunklen Wegen abgedriftet war und er sich vor Ihnen fürchtete. Zurück könne er nicht, da er fürchtete wegen Fahnenflucht gerichtet zu werden. Er würde die Zeit solange im Sôlerben Kloster, oberhalb der Himmelspforte, verbringen, um Rat im Gebet zu finden. Ich antwortete Michael nicht, was auch nicht notwendig war, denn er verlangte ab sofort, dass ich Verantwortung für die Feigheit meines Bruder übernehmen und stattdessen als Leibwache für ihn dienen solle. Dies nur, solange die Expedition geht, dann wäre ich erlöst und Werner könne von ihm aus hier sein Dasein fristen. Wenn ich mich geweigert hätte, hätte er den Riedländer Orden nach Neu-Corethon geschickt um sich ihm anzunehmen. Er traf meinen empfindlichsten Nerv - meinen kleinen Bruder. So willigte ich ein.

Auch Raphael wirkte nicht all zu begeistert von der Expedition. Er versuchte auf Michael einzureden, dass die gesamte Abfahrt zu hastig organisiert wurde und schlug ihm vor, noch eine Woche hier auf Anker zu liegen um alles durchzugehen, immerhin waren wir auf diesen Fall nicht vorbereitet. Doch den Protest schlug der Erzdekan in den Wind, da seine Expedition wohl nicht die Einzige war, die sich Corethon als Ziel genommen hatte. Eine verfeindete Archäologin namens Armira Leylek hätte mittels ihrem Geldgeber, Ehan-Djamil Rilfat, bereits eine eigene Kalifaten-Expedition auf die Beine gestellt um Corethon noch vor ihm zu erreichen, provokant ankerte sie bereits vor Neu-Corethon. Als bekannt wurde, dass der Erzdekan dort hinfuhr vermutete sie dort große Schätze, weswegen sie unbedingt vor ihm Fuß auf die Insel setzen wollte. Aus diesem Grund ist jeder verlorener Tag ein Tag, der den Kalifaten nützen würde, sodass wir umgehend aufbrechen mussten. Wir gingen zum Schiff und machten uns mit der überschaubaren Mannschaft vertraut, denen die Vorfreude über das Abenteuer einer Expedition ins Gesicht geschrieben stand. Der Führungsstab bestand neben Michael als Archäologen aus drei weiteren Wissenschaftlern - dem Kapitän des Schiffs "Seelenfänger" und Biologen Rupert Seelbach, dem neugierigen, alten Astronom und Meteorologen Ludwig Ahrenholz sowie einem hitzköpfigen und hässlichen Kartographen und Geologen, aus der berühmten Gilde der Kartographen, Willfried Färber. Die Vier schienen in ihren Fachbereichen erfahrene und kompetente Männer zu sein die sich wissenschaftliche Durchbrüche in ihren jeweiligen Disziplinen auf Corethon erhofften. Bonnington, Ahrenholz und Färber hatten ihre Assistenten als Besatzung angeheuert: Paulus Dannfels als treuherziger Archäologie-Assistent und Drevin Cray Ersatz, Charles Seiler als neidischer Astronom-Assistent und Georg Bedney als lüsterner Kartographennovize. Während Dannfels  und Seiler auf ihre eigenen Arten und Weisen ehrgeizig waren, so schien Bedney großes Desinteresse an seiner Tätigkeit zu zeigen, aber dennoch arrogant genug zu sein mit seinem Status zu prahlen. Die Gebrüder Karl & Gunnar Paulsen rundeten das Bild ab, erfahrene Seemänner die bereits seit Jahren unter Kapitän Seelbach gedient hatten. Während Gunnar vor Langeweile betrunken an Deck eingeschlafen war, versuchte Karl uns von seinem fallicischen Akzent zu überzeugen. Er wurde erst einige Tage später als gebürtiger Tasperiner enttarnt.

Doch noch bevor das Schiff betreten hatten wurden wir Opfer einer Sabotage. Haltlos driftete die Seelenfänger in den Flutwellen hin und her, denn der Anker war gelöst und ruhte am Grund des Meeres. Im Hintergrund entfernte sich das kalifatische Schiff mit seinen giftgrünen Segeln, und ein Schwall der Beleidigungen begleitete sie auf ihrer Fahrt, die hauptsächlich von Bonnington und Seelbach ausgingen. Ohne Anker wäre das Schiff verloren, wir boten Michael an stattdessen mit unserem Ordensschiff, der O.S. Marina, zu fahren, doch er lehnte ab. Ein Geistesblitz brachte uns dazu, die Taucherglocke zu nutzen mit der man unter Wasser für eine Zeit atmen konnte und die lose Kette wieder am Anker zu befestigen. Jule meldete sich dafür freiwillig. Während wir das Schiff an die Strandpalme banden und verhinderten, dass es abdriftete, schaffte es Jule den Anker wieder zu befestigen. Dabei stellte sie fest, dass dieser definitiv per Hand gelöst wurde - ein Akt der Sabotage. Die Schuld wurde Leylek und Rilfat gegeben, während wir unsere Zimmer beziehen konnten. Auf hoher See ist es ein hohes Gut, eigene Doppelzimmer zu haben: Ich schlief mit Raphael in einem Raum, Jule und Amelie teilten sich eines, und Friedrich musste sich eines mit Paulus Dannfels teilen, doch da dieser ein angenehmer, braver Zeitgenosse war stellte dies kein Problem da. Wir kamen mit den Expeditionsteilnehmern ins Gespräch, ich vor allem mit Willfried Färber, unserem Kartographen. Er diente gemeinsam mit Kapitän Seelbach im Haldarkrieg und hielt viel von ihm, aufgrund seiner breiten Statur und der groben Art ähnelten wir uns sehr. Sein Gesicht war ebenfalls entstellt wie Meines, er roch unangenehm und gab dafür Professor Ahrenholz die Schuld, der ihn damals wohl mit Säure behandelt hatte. Ich fragte ihn, weshalb so viele Wissenschaftler hier wären, und er meinte die Expedition würde sich nicht von selbst bezahlen. Wenn die Expedition wissenschaftliche Erkenntnisse oder Artefakte liefert hätten alle etwas davon, und nur so konnte Bonnington eine Mannschaft erst anheuern. Niemand würde diese ewig lange Reise nach Corethon antreten, wenn man nur einen alten Körper beisetzen und danach wieder das Weite suchen würde. Zu Mittags trafen wir uns in der Kantine wieder und besprachen die gesamte Situation. Ich äußerte früh den Verdacht, dass der Saboteur sich unter der Mannschaft befinde, denn die Kalifaten waren schnell wieder gefahren und hätten ihren Saboteur mitnehmen müssen, in der kurzen Zeit nicht möglich. Dieser Verdacht bestätigte sich schnell, denn das Wasser, das wir tranken schmeckte salzig wie das Meer.

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Michael stürmte daraufhin die Vorratskammer um die Wasserfässer zu begutachten - und eine Kostprobe bestätigte, dass unser Trinkwasser ungenießbar war. Ein offener Salzsack daneben bewies, dass jemand absichtlich das Trinkwasser sabotiert hatte. Raphael versuchte erneut, auf Michael einzureden dass man ohne Trinkwasser keine Expedition überleben würde, und riet ihm an vorerst umzukehren. Doch er hatte nichts dergleichen vor, sondern trug mir auf, den Saboteur zu finden, wir Solaner waren immerhin für die Sicherheit an Bord zuständig. Karl Paulsen, mit seinem verdächtigen Akzent, war uns als Erstes suspekt, sodass wir sein Zimmer stürmten und ihn unter Gewaltandrohung zur Rede stellten. Dort stand er, mit blutrotem Hemd am malen, verdattert, und ich verurteilte ihn schon zum Tode. Allerdings war dies nur Farbe, und er gab seinen fallicischen Akzent auch rasch auf. Amelie entdeckte, dass er versuchte seinen Unterarm zu verbergen, sodass er ihn uns zeigen musste - eine große, schwarzflächige Tättowierung, auf der "Prisón la Merge" eingestochen wurde. Er gestand, ein ehemaliger Häftling zu sein und bat uns darum, über dies Stillschweigen zu bewahren, denn Kapitän Seelbach würde Verbrecher sofort über Bord werfen, wie es auf hoher See üblich war. Seine Unschuld bezüglich der Sabotageakte beteuerte er dennoch, und tatsächlich glaubten wir ihm, sodass wir von dannen zogen. Danach bedrängten wir, nur aus persönlichem Groll von dem Färber mir berichtete, Professor Ahrenholz, der so alt war dass er sich kaum wehren konnte. Ich drohte ihm mit Schläge und dem Brechen von Knochen und beschuldigte ihn ohne jeden Beweis oder Indiz, der Saboteur zu sein, und verlangte die Wahrheit zu wissen. Selbstverständlich wehrte er sich gegen die haltlosen Anschuldigen, aber nur solange bis ich einen Brief von seinem Tisch hob, der an den Kalifaten Rilfat adressiert war. Er gestand, mit diesem in einer Geschäftsbeziehung zu stehen, doch schon seit Jahren und das bevor diese Expedition überhaupt losging. Da auch dies kein Verbrechen war und der Mann so alt war, dass er sicher nicht den Anker lösen konnte, ließen wir ihn ziehen. Allerdings bekam er Zimmerarrest aufgrund der Verbindung zu den Kalifaten, die er murrend hinnahm. Aus einem mir noch viel schleierhaften Grund - wahrscheinlich Dummheit - spielten wir daraufhin mit Georg Bedney im Spielzimmer Würfelspiele, anstatt zu ermitteln. Man spielte gegen Bedney, und wer verliert, musste offenbaren warum er wirklich mitgekommen war. Stellt sich heraus, das unser Orden großes Würfelpech hat und die Meisten eigene Anreize hatten, mitzufahren. Friedrich wurde von Ahrenholz ein Lehrstuhl versprochen, Raphael hat furchtbare Angst vor Corethon weil er schon einmal dort war, Jule würde von Färber einige Fische geschenkt bekommen und Amelie würde Überreste ihres Großvaters vom Kapitän bekommen - WENN diese Personen überleben würden. Und das war nicht leicht, das wissen die Götter ganz sicherlich. Denn ich und Cho'theng, wir versuchten alles, um so vielen wie möglich ihre Leben zu nehmen. Unser Ziel war es, ihre Köpfe abzutrennen, für das Wohle aller.

Ich hatte als Einziges höher gewürfelt als er, wodurch ich nicht Preis geben musste, dass Michael mich mit Werner erpresst hatte. Bedney auf der anderen Seite offenbarte uns nun, was er wusste, doch es war nicht viel. Er hatte weder mit dem Anker noch mit dem Salz im Wasser zu tun, das Einzige was wir herausfanden, war, dass Färber sich gut um ihn gekümmert hatte als er in der Gosse war und er deswegen seinem Lehrstuhl beigetreten ist. Er trug die gleiche "Prisón la Merge" Tättowierung wie Karl Paulsen, was eine Kameradschaft zwischen den Beiden bestätigte. Da aber auch er der Kriminalität - außer dem Glücksspiel - abgeschworen hatte, sahen wir keinen Grund ihn beim Kapitän zu melden und ließen ihn in Ruhe. Der Tag war nun an seinem Ende angelangt, und die Erlebnisse machten uns müde, sodass wir uns auf unsere Zimmer zurückzogen. Ich wollte Nachtwache auf dem Schiff halten, aber Raphael beruhigte meine Paranoia indem er mir ein großzügiges Glas Prioreiswein einschenkte, welchen er mitgenommen hatte. Wir redeten den Abend miteinander, erheiterten die missliche Lage mit Erlebnissen aus der Vergangenheit und den Eigenartigkeiten unseres Ordens um uns abzulenken. Schnell hatte ich die halbe Flasche alleine geleert und der schwere Rotwein drückte bereits auf meine Augenlider, sodass wir früh zu Bett gingen. Ich schlief die Nacht dank des Weines und dem angenehmen Schiffsschaukeln durch und wurde am nächsten Morgen erst durch das Gebrüll eines wildgeworbenen Willfried Färbers geweckt. Schlaftrunken taumelten wir in den Raum des Navigators und sahen, dass die Seekarte in schwarzer Tinte ertränkt und dadurch unlesbar wurde. Wir würden nun blind nach Corethon fahren. Raphael versuchte erneut Michael zum Umkehren zu bewegen, während ich anfing mich mit Färber zu prügeln da wir uns gegenseitig provoziert hatten. Ein paar klärende Schläge später erklärte Färber, dass er in der Lage wäre die Karte neu anzufertigen. Bedney kam angestürmt und meldete, dass seit gestern Abend die Ausrüstung in seinem und Färbers Raum gestohlen worden war, die sie für ihre geologische Arbeit benötigen würden. Fuchsteufelswild sperrte Michael sich in seinem Zimmer ein und erklärte, dass er erst rauskommen würde wenn wir den Täter gefunden hatten. Nachdem ich mit dem Expeditionsleiter und meinem kirchlichen Vorgesetzten einige Beleidigungen austauschte bevor er sich verkroch durchsuchten wir das Schiff nach Hinweisen und wurden rasch fündig. Im Glücksspielraum, wo wir gegen Georg Bedney gewürfelt haben, fanden wir Charles Seiler, der bauchlings in einer Blutlache lag, mit einer klaffenden Wunde am Hinterkopf. Ein blutiger Schürhaken, der neben ihm lag, bestätigte, dass er ermordet wurde. Der Saboteur erhöhte den Druck wohl gewaltig.

In diesem Moment stürzte Kapitän Seelbach in den Glücksspielraum, während ich mit dem blutigen Schürhaken in der Hand hinter dem Leichnam stand. Aufgrund meines verdrehten und verbitterten Gemütszustandes gab ich vor, zu gestehen, ihn ermordet zu haben. Meine Kameraden waren schockiert und Raphael brüllte, dass ich es nicht gewesen sein kann, einer Festnahme konnte ich dann noch knapp entgehen. Auch der Kapitän übertrug uns als kriegerischen Solaner und kirchlichen Seelensalber die Aufgabe, den Mord aufzuklären. Friedrich berichtete, dass Paulus Dannfels heute Morgen nicht in seinem Zimmer war, weswegen wir ihn umgehend befragten. Er gab an, um 6 Uhr Morgens aufgestanden und auf Deck spazieren gegangen zu sein, wie jeden Morgen. Sagen konnte er uns, dass Seiler sich oft mit Georg Bedney getroffen hat und die Gebrüder Paulsen ihn eher zu meiden schienen. Aufgrund seiner gutmütigen Natur und da ihm ein Motiv fehlte, schlossen wir Dannfels als Verdächtigen aus. Da das Zimmer von Professor Ahrenholz nahe am Glücksspielraum war und der ermordete Seiler sein Assistent und Zimmergenosse war, befragten wir den unter Hausarrest stehenden Meteorologen. Auf die Meldung, dass sein Assistent ermordet wurde, reagierte er allerdings mit einem drohenden Herzinfarkt, den ich als schauspielerisches Getue abtat. Als er anfing spastisch zu zucken und meine Ordensbrüder brüllten, ich solle ihm endlich helfen, schob ich ihm einige Pastillen in den Rachen auf die er deutete, und schleuderte den Rest wutentbrannt durch den Raum. Er bestätigte Paulus' Aussagen, dass er sich oft mit Bedney traf und die Paulsens mied. Bedney kam gestern nicht mehr aufs Zimmer, Ahrenholz' Gehör war allerdings so schlecht, dass er nichts vernahm. Die Erlaubnis, seine Habseligkeiten zu durchsuchen, gab er uns, und so fanden wir Briefe von Georg Bedney an Charles Seiler, in denen er seinen Hass ihm gegenüber beteuert, als auch eine Schatulle voll Gold unter dem Bett von Seiler. Offensichtlich war das freundschaftliche Getue der Beiden nur Schauspielerei, aus irgendeinem Grund erpresste Seiler Bedney wohl. Mit diesen Beweisen und einem passenden Motiv stürmten wir das Zimmer von Bedney, und noch bevor er ein Wort sagen konnte hatte meine Linke ihn schon am Kragen und meine Rechte war zu einer Faust des Verderbens gebildet worden, die sich danach sehnte, mit seinem Gesicht vereint zu werden. Ich fragte ihn, wo er Heute Nacht war, doch ich hörte die Antwort vor rasender Kampfeslust nicht, sie kümmerte mich auch nicht. In diesem Moment verwickelte mich der angeraste Willfried Färber von Hinten in ein Handgemenge, und wir stillten unsere Raserei aneinander. Gegen den Veteranen musste ich mich geschlagen geben, lauthals brüllte er, dass sein "Sohn" unschuldig sei und den ganzen Abend mit ihm verbracht hätte. Er gestand unter Tränen, der Vater von Georg Bedney zu sein und ihn deshalb zu seinem Assistenten gemacht zu haben, um all die verlorenen Jahre gut zu machen und sich nun um ihn zu kümmern. Perplex und angewidert von dieser Offenbarung, die einen keuschen Ordensritter wie mich kalt ließ, konnten wir nicht anders als woanders nach dem Täter zu suchen.

Wir folgten einem plötzlichen Geistesblitz von Amelie. Wenn Seiler von Bedneys kriminellen Hintergrund wusste, dann könnte er auch die von Karl Paulsen gewusst haben und diesen ebenso erpressen? Wir stürmten also das Zimmer der Paulsens und stellten es erneut auf den Kopf. Dieses Mal jedoch war die Beweislage eindeutig und erdrückend - in einem Kleiderstapel fanden wir eine von Kohlestaub verdreckte Matrosenuniform sowie eine blutbefleckte Kochschürze, welche zu Gunnar Paulsen, dem Schiffskoch, gehörte. Seine Festnahme war schnell und unkompliziert. Als Raphael ihm sein Motiv aufsagte (der Hass gegen Seiler, da er seinen Bruder Karl mit seiner kriminellen Vergangenheit erpresste) ließ dieser sich widerstandslos festnehmen und zeigte keine Reue für seine Tat. Allerdings bestritt er weiterhin, mit den anderen Sabotageakten in Verbindung zu stehen und beteuerte, dass es noch immer einen Saboteur an Bord gab. Wir steckten ihn in eine Zelle und versammelten uns mit dem Rest der Mannschaft vor der Zelle am Unterdeck. Michael Bonnington reagierte frustriert und erbost, als wir ihm berichteten, dass Gunnar Paulsen wohl nicht der Saboteur war. Er warf mir vor, etwas übersehen zu haben, und dies ließ mein Herz in die Hose rutschen. Ich sah zu Raphael, und erinnerte mich, dass er bei der Besprechung in der Priorei am Anfang der Reise gegangen war um "Wein zu holen", kurz bevor der Anker sabotiert wurde. Dass, während wir am Anfang der Reise die Leute befragten, er als Einziger mit Niemandem gesprochen hatte, vermutlich weil er das Trinkwasser versalzte. Dass er mich an jenem Abend, wo die Seekarte in Tinte ertränkt wurde, eine ganze Flasche Rotwein austrinken ließ und ich in einen bombensicheren Schlaf fiel. Dass er jedes Mal versuchte, Michael davon abzuhalten, diese Expedition fortzusetzen. Ich traute mich kaum, meinen Verdacht auszusprechen, doch ich wusste was meinem kleinen Bruder blühen würde, wenn diese Expedition nicht stattfinden würde. Um Werner's Willen fragte ich meinen geliebten Prior, ob er der Saboteur wäre. Daraufhin ging er wortlos zu Michael, legte ihm die Hände auf die Schultern und flehte diesen weinend an, dass wir umkehren müssten. Wir nicht nach Corethon fahren dürfen. Er gestand und versuchte ein letztes Mal die Katastrophe zu verhindern, die folgen würde, doch der Götterplan ließ sich nicht aufhalten. Michael befahl geistig umnachtet seine Festnahme, und so schritten sein treuherziger Assistent Dannfels und Kapitän Seelbach auf ihn zu, doch sie machten vor mir, meinem gezogenen Anderthalbhänder und der Drohung, dass ich alle töten würde die Raphael berührten, Halt. Raphael selbst war es aber, der mir Einhalt gebot. Michael, von diesem Bruderverrat gebrochen, denunzierte seinen Bruder, entfremdete sich von ihm und sperrte ihn zu dem Mörder Gunnar Paulsen hinter Gitter. Unsere Proteste wurden in den Wind geschlagen, die gesamte Schiffsbesatzung war gegen uns - und ich selbst fügte mich dem Willlen demjenigen, der mich erpresste und den ich schützen musste. Einen letzten Befehl gab es noch: Die Expedition werde um jeden Preis fortgesetzt. Der Ausguck, Karl Paulsen, brüllte schon Stunden später, dass Land in Sicht war. Das verfluchte Eiland Corethon wurde erreicht, und der Schatten Cho'Thengs legte sich erdrückend über uns alle.

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