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Würfelsystem Aktivitätsmarker

#1
Zum Thema der Aktivitätsmarker

Hallo zusammen,
ich bin seit Kurzem wieder dabei und wollte mich einmal mit euch – sowohl der SL als auch den Spieler – über das Thema Aktivitätsmarker austauschen.

Zunächst einmal finde ich es sehr gut, dass es nun eine klare und schriftlich festgehaltene Regelung gibt. Ich hatte zwar nie das Gefühl, dass eine so feste Ordnung zwingend notwendig gewesen wäre, und empfand das frühere System mit individuellen Entscheidungen bei Steigerungen als durchaus funktionierend. Individuelle Lösungen bringen jedoch immer eine gewisse Unsicherheit mit sich und können im Zweifel als unfair wahrgenommen werden. Deshalb begrüße ich klare Regeln grundsätzlich – sie schaffen Transparenz und Fairness.

Die konkrete Umsetzung empfinde ich allerdings als zu restriktiv, insbesondere was die Anzahl der möglichen Aktivitätsmarker betrifft. Meiner Meinung nach bildet ein einzelner Marker die Vielzahl an rollenspielerischen Aktivitäten, die ein Charakter innerhalb von einem RL-Monat (drei RP-Monaten) erleben kann, nicht ausreichend ab – gerade jene Tätigkeiten, bei denen keine Würfelproben anfallen.

Nehmen wir als Beispiel einen Zeitraum von drei Monaten: In dieser Zeit kann ich täglich acht Stunden meinem Handwerk nachgehen, anschließend regelmäßig Fachliteratur lesen und mein Wissen erweitern, am Wochenende angeln gehen und zusätzlich einmal pro Woche eine Sprachschule besuchen, sodass ich am Ende etwa ein A2-Niveau erreiche. Vielleicht schaffe ich es daneben sogar noch regelmäßig zum Boxtraining. Oder ich verzichte auf den Sport und lerne stattdessen die Grundlagen des Schneiderns oder übe zweimal pro Woche ein Instrument. Wenn ich außerdem aufhöre, ständig bei Lieferando zu bestellen, und regelmäßig selbst koche, werde ich vermutlich auch darin besser.

Übertragen auf das Rollenspiel könnte mein Charakterbogen am Ende dieses Zeitraums beispielsweise so aussehen:
  • Handwerk X
  • Wissen (Buchinhalt) X
  • Fischer X
  • Sorridianisch X
  • Handgemenge (alternativ Schneider oder Klavier) X
  • Kochen X
Und selbst dann wäre bei einem niedrigen Fertigkeitswert noch nicht einmal sicher, dass ich einen einzigen Steigerungswurf erfolgreich bestehe.
Ich möchte mit diesem Beispiel nicht für eine beliebig hohe Zahl an Aktivitätsmarkern werben. Mir geht es vielmehr darum zu verdeutlichen, wie viele unterschiedliche Fähigkeiten ein Charakter in diesem Zeitraum plausibel weiterentwickeln könnte.

Wenn ich diese Entwicklung nun jedoch auf einen einzigen Aktivitätsmarker reduzieren muss, wird das dem tatsächlich ausgespielten Rollenspiel aus meiner Sicht nicht gerecht.
Natürlich könnte man sagen: „Im Rollenspiel geht es nicht um Werte.“ Das stimmt grundsätzlich auch. Gleichzeitig wünschen sich viele Spieler aber, dass ihre Charaktere wachsen und sich weiterentwickeln. Ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung spiegelt sich nun einmal in den Werten wider.

Was passiert also, wenn ich diese Entwicklung dennoch sichtbar machen möchte?
Dann bleibt mir letztlich nur, statt Aktivitätsmarkern Erfolgsmarker zu sammeln. Während auf manche Werte – etwa Kampf, Konstitution oder Geist – in Plots vergleichsweise häufig gewürfelt wird, geraten insbesondere handwerkliche oder alltägliche Fähigkeiten dabei eher ins Hintertreffen. Wenn ich diese Fähigkeiten dennoch steigern möchte, muss ich mir zwangsläufig überlegen, wie ich möglichst oft eine Würfelprobe provozieren kann – insbesondere solange mein Fertigkeitswert noch niedrig ist.
Das führt in erster Linie zu mehr Arbeit für die SL und steht aus meiner Sicht auch dem Ziel entgegen, durch Denizen alltägliche Abläufe stärker zu automatisieren und die SL zu entlasten.

Aktivitätsmarker entlasten aus meiner Sicht die SL und fördern gleichzeitig die Spielerinteraktion, etwa durch gemeinsames Kampftraining oder (Sprach-)Unterricht – allerdings nur, wenn sie in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Habe ich hingegen nur einen einzigen Marker und möchte beispielsweise ein neues Handwerk erlernen, muss ich zwangsläufig Prioritäten setzen. Diese Priorisierung verringert meiner Meinung nach die Motivation, sich im aktiven Rollenspiel gemeinsam mit anderen Charakteren neue Fähigkeiten anzueignen. Eine der größten Motivationen für viele Spieler ist die Möglichkeit, die Entwicklung ihres Charakters auch in den Werten sichtbar werden zu lassen. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich beispielsweise auch beim Gildenruf.

Deshalb möchte ich zum Schluss für eine höhere Anzahl an Aktivitätsmarkern plädieren. Aus meiner Sicht wären zwei bis drei Marker ein sinnvoller Kompromiss. Wie oben bereits beschrieben, wären selbst sechs Marker nicht völlig unrealistisch, wenn man betrachtet, wie viele unterschiedliche Tätigkeiten ein Charakter innerhalb von drei RP-Monaten ausüben kann.
Ich halte jedoch zwei oder drei Marker für ausreichend, um diese Entwicklung angemessen abzubilden: beispielsweise einen Marker für das regelmäßig ausgeübte Handwerk (oder bei einer Wache den entsprechenden Dienst), einen Marker für das Studium eines Buches und einen Marker für eine Freizeitaktivität. Das erscheint mir sowohl realistisch als auch ausgewogen und dürfte in unserem System kaum zu übermäßigen Steigerungen führen – schließlich muss der anschließende Steigerungswurf ebenfalls erst einmal erfolgreich sein.

Was denkt ihr?
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#2
Hear, hear! Es ist meiner kurzen Erfahrung nach etwas frustrierend, wenn man neues erlernen möchte. Vor allem, wenn ich mir dadurch versuche, neue RP-Möglichkeiten freizuschalten, z. B. durch das Erlernen eines zusätzlichen Berufes oder eines interessanten Wissens.
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#3
danke für deinen super beitrag! ich finde persönlich auch, dass mehrere marker für die aktivitäten realistisch sind. als soldat in der ausbildung werden bspw. immer mehrere disziplinen im monat gelehrt, in denen die teilnehmer auch mit regelmäßigem training besser werden sollten. wir machen regelmäßig stundenlanges rollenspiel, um eine technik im faustkampf zu erlernen, oder um zu üben, wie eine armbrust richtig verwendet wird. in der steigerung kann dies jedoch nicht berücksichtig werden, weil nur ein marker zum tragen kommt oder dieser vielleicht auch schon für ein buch verwendet wurde. so bleibt die charakterentwicklung etwas auf der strecke, was gemessen am rollenspielanteil nicht ganz schlüssig erscheint. eine erhöhung der aktivitätsmarker auf 3 fände ich ebenfalls angemessen und zielführend. aber auch eine individuelle betrachtung halte ich für sinnvoll. ein charakter, der schon zig plots in dem monat hatte, hat vielleicht weniger zeit noch etwas anderem nachzugehen, als einer, der nur zuhause war und sich seinen studien und übungen gewidmet hat.
[Bild: hMdGMtU.png]
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