Vor 8 Stunden
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Vor 8 Stunden von SamHawkens.)
04. Regenmond 1369
Wir sind vor einigen Tagen aufgebrochen, um den besagten Auftrag zu erledigen. Es galt ein Schiff zu finden, das seit geraumer Zeit vermisst worden war. Darüber hinaus sollten mögliche Passagiere, oder zumindest deren Habseligkeiten, geborgen werden. Die Expedition unter meiner Leitung bestand aus:
- Bürgerin Elicia Solís
- Bürgerin Kali Mirona
- Soldat Yara Sharif
- Rekrut Jonathan Tischler
Gildenmeister Bittner informierte uns, dass es ein paar Unterlagen zu dem Fall gibt, die uns nützlich sein könnten. Weil jene sich in der Obhut von Stadtverwalter Brutus Walter befanden begaben wir uns sogleich zu ihm. Leider geschah dort aber ein kleines Unglück. Es gab eine Karte mit der Route, welche das Schiff nehmen wollte, doch durch ein Missgeschick wurde die Karte bei der Übergabe in vier Teile zerrissen und mit Bier bekleckert. Es gelang uns allerdings zum Glück sie wieder zusammenzusetzen, so dass wir die Route identifizieren konnten. Mit dem Ausgangshafen Vladsburg wollte das Schiff offenbar sämtliche der Westwind-Inseln ansteuern; mit Neu Corethon als finalem Ziel.
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Mehr Informationen konnten wir zunächst leider nicht bekommen. Niemandem waren Name, Ladung oder weitere Details bekannt, was wir als hinderlich empfanden. So stand die Frage im Raum, wo wir unsere Suche beginnen sollten. Wir schwankten zwischen Cerrona und Corethon. Corethon schien sinnvoll um auszumachen, wie weit das Schiff auf seiner Route gekommen ist, da es etwa auf der Hälfte der Strecke liegt. Jedoch bestand die Gefahr ohne mehr Informationen vielleicht auf eine falsche Fährte zu gelangen, weshalb ich als Expeditionsleiter ein Machtwort sprach um unsere Pattsituation aufzulösen. So steuerten wir zunächst Cerrona an.
Dort konnten wir nach einigen Formalitäten mit dem Hafenverwalter sprechen, der uns wichtige Informationen geben konnte. Das gesuchte Schiff trug den Namen "Ippenstedt" und stand unter dem Kommando von Kapitän Klausen. Die Ippenstedt sei ein Schiff, das kleiner sei als eine Galeasse, aber größer als eine Schaluppe und habe Handelswaren, sowie Passagiere an Bord. Kapitän Klausen sei bei der Einfahrt auf Cerrona recht durcheinander gewesen und habe dem Hafenverwalter das halbe Logbuch in die Hand gedrückt. Das sei etwa einen Monat vor unserer Ankunft geschehen; am 18. Erntemond 1369. Sie habe einige Vasen aufgeladen und sonst nichts.
Von Cerrona aus beschlossen wir sodann Corethon anzusteuern, wo ein Sturm aufzog der uns sehr lange begleiten sollte. Der Hafenverwalter von Corethon konnte uns sagen, dass die Ippenstedt tatsächlich dort ankam und ihre Route fortsetzte. Der Name des Schiffes war ihm allerdings nicht geheuer, weil Ippenstedt eine unheilvolle Stadt sei und er sich deshalb fragte, wer sein Schiff nach ihr benennen würde. Diesen Aberglauben bei Seite schiebend nahmen wir Kurs nach Norden um die sorridianische Siedlung auf Cimanca anzusteuern. Durch meine mangelnden Navigationskenntnisse gerieten wir aber etwas vom Kurs ab und kamen zunächst auf Neu Corethon an. Wir korrigierten unseren Kurs und kamen über einen weiteren großen Schwenker schließlich auf Cimanca an.
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Auch dort empfing man uns mit gebührender Höflichkeit und teilte uns mit, dass die Ippenstedt Cimanca nicht erreicht hatte. Nach einem kurzen Aufenthalt in der örtlichen Kirche begaben wir uns deshalb nach Cabu. Auf dem Weg dorthin fanden wir das Wrack eines großen Schiffes, das vor einiger Zeit gekentert sein musste. Einzig Teile der Segel ragten noch aus dem Wasser. In der unmittelbaren Nähe glaubte ich eine Art unheimliches Leuchten am Meeresgrund ausmachen zu können; da das Schiff aber eindeutig vor längerer Zeit untergegangen sein musste und zu groß war für die Beschreibung der Ippenstedt, zogen wir weiter.
Auf Cabu erfuhren wir, dass die Ippenstedt dort noch angelegt hatte, bevor sie verschwand. Das war am 25. Erntemond. Aus einem Auszug des Logbuchs, das auf Cabu verblieben war, konnten wir erfahren dass auch die Ippenstedt von einem Sturm verfolgt wurde, dem sie mit einem Schwenker nach Osten zu entkommen versuchten. Wir nahmen deshalb zunächst Kurs auf Seemanns' End. Dort fanden wir aber keine Anzeichen von einem Schiffsbruch in jüngerer Zeit, weshalb wir Kurs hart nach Westen nahmen. Schließlich fanden wir dann auch unser Ziel. Die Ippenstedt trieb in einer Flaute auf dem Meer.
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Weil kein Zeichen von Leben zu erkennen war, umkreisten wir das Schiff zunächst und setzten erst dann mit einem Ruderboot über. Wir fanden mehrere Besatzungsmitglieder, von denen jedoch niemand mehr am Leben war. Äußerst seltsam daran war, dass niemand sichtbare Verletzungen, oder Anzeichen einer Vergiftung, oder Mangelernährung aufwies. Es war, als wären sie einfach eingeschlafen und nie mehr aufgewacht. Wir fanden schließlich einzig Pater Bellamo lebendig vor, der sich jedoch in einem katatonischen Zustand befand und nicht ansprechbar war. Wir beschlossen deshalb die Ladung der Ippensted, mitsamt der Toten, zu übernehmen und das Schiff nach Neu Corethon zu schleppen. Die Flaute legte sich allerdings nicht, was uns vor ein Problem stellte.
Während wir über unsere Lage berieten geschah etwas äußerst eigenartiges: Wir hörten tiefes Glockengeläut. Und es schien aus dem Meer unter uns zu kommen. Davon hatte die Besatzung auch in ihrem Logbuch geschrieben. Die Quelle war jedoch nirgends zu sehen. Je länger die Glocke läutete, desto mehr fiel es uns schwer wach zu bleiben und ich vermute, dass die Besatzung auf diese Weise ihr Ende fand. Weil wir bei der Durchsuchung des Schiffes auf ein Fass voller Mondzucker gestoßen waren, wollte ich in meiner Verzweiflung darauf zurückgreifen um irgendwie bei Bewusstsein zu bleiben, doch ein pflichtbewusstes Expeditionsmitglied hatte das Fass bereits über Bord geworfen. Mein Versuch mich durch Schmerzen wach zu halten schlug fehl, weshalb ich letztlich das Bewusstsein verlor.
Was dann geschah muss auf jeden der diese Zeilen lesen mag wie ein Hirngespinst klingen, doch ich habe Beweise dafür, dass jedes Wort davon wahr ist. Ich fand mich in einer surrealen Welt wieder. Einem endlosen Nichts, in dem einzig ein paar große Steine wie Inseln schwebten. Und direkt vor mir ein gewaltiger Glockenturm, der unnachgiebig düster läutete. Dann vernahm ich eine Stimme, die mir eine Art Rätsel vorsang.
Höre die Glocken klingen
Wogl und Leid zu bringen
Doch wirst du sie selbst ergreifen
Oder in Angst und Not ersteifen
Die Sonne wird dir hell erstrahlen
Triffst du nur die rechten Wahlen
Sie scheint uns allen immerklar
Doch dem Erdreich ist nie nimmer nah
Bringst du sie inrechten Reihen
So will ich dir die Freiheit weihen
Während ich noch darüber nachdachte, was dies zu bedeuten hat, verschwamm die Welt vor meinen Augen und ich fand mich plötzlich wieder an einem anderen Ort. Diesmal eine Höhle unter Wasser!
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Sie war überzogen mit Schwämmen und verschleimten Steinen. Im Raum verteilt befanden sich Metallgitter in verschiedenen Farben, die aus mir unerfindlichen Gründen in der Lage waren Wasser auszusperren und Luft zu halten. In meiner Hand befand sich außerdem plötzlich eine gelbe Glocke und auch die anderen Teilnehmerinnen der Expedition waren mit mir in diesem Raum eingepfercht. Auch sie hatten verschiedenfarbige Glocken und offenbar ähnliche Rätsel erhalten. Wir versuchten uns verzweifelt einen Reim darauf zu machen, während ein Gitter nach dem anderen kollabierte und die rettende Luft damit immer knapper wurde. In buchtstäblich letzter Sekunde gelang es uns zu entschlüsseln, dass wir mit unseren Glocken die entsprechenden Gitter in einer bestimmten Reihenfolge anschlagen mussten und konnten uns so offenbar aus diesem Albtraum befreien. Denn wir erwachten wieder in unserem Beiboot; mit unseren bunten Glocken aus dem Traum. Offenbar war es Frau Mirona noch gelungen uns in das Boot zu befördern, bevor auch sie kollabierte.
Das Wetter änderte sich und ein Wind zog auf, so dass wir endlich wieder Fahrt aufnehmen konnten. Die Ippenstedt jedoch ging mit dem aufziehenden Wind allmählich unter, weshalb wir sie nicht mehr abschleppen konnten. Pater Bellamo erwachte aus seiner Katatonie und konnte uns darüber aufklären, dass er die Glocke, die wir in unseren Träumen sahen, schon länger erforscht und deshalb auf dem Weg zu Ordensschwester Magdalena Meyer auf Neu Corethon sei. Völlig erschöpft schlief er letztlich ein und wachte über die gesamte Fahrt nach Hause auch nicht mehr auf. Wir brachten ihn deshalb umgehend auf Neu Corethon in die Heilstube des Ordens und informierten auch die Priorin über die Ankunft des Paters. Damit war der Auftrag zur Gänze erüfllt.
Gezeichnet;
Jonathan Tischler


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